Erste Transplantation eines schlagenden Herzens in Deutschland

Im Gegensatz zur klassischen Methode, bei der das Spenderherz für den Transport in Eis gekühlt und stillgelegt wird, bleibt das Organ beim Beating-Heart-Verfahren durchgehend in Betrieb. Das Herz wird unmittelbar nach der Entnahme in ein mobiles Organ Care System (OCS) eingesetzt – eine Box, in der es mit warmem, sauerstoffreichem Blut durchspült wird, sodass es weiterschlägt. Es arbeitet auch während der OP weiter. Dadurch wird die Zeit minimiert, in der das Gewebe nicht durchblutet wird (Ischämie), das Risiko von Organschäden sinkt.

Vorreiter für die Methode weltweit ist die Universitätsmedizin in Stanford. Dort wurde im Oktober 2022 erstmals ein schlagendes Herz transplantiert. PD Dr. Moritz Immohr von der Universitätsmedizin Essen hat seitdem die Erfolge der kalifornischen Kolleginnen und Kollegen mit Interesse verfolgt und sich dafür stark gemacht, auch in Essen einen solchen Eingriff durchzuführen. „Schon als wir die Studie der Kollegen aus Standford zu dem neuen Eingriff zum ersten Mal lasen, war uns klar: Das wollen wir hier in Essen auch machen“, berichtet Akhyari. Auf die Premiere bereitete sich das Team intensiv vor, gemeinsam analysierten und diskutierten die Essener Expertinnen und Experten die Studie, sprachen die OP mehrfach durch und luden einen Herzchirurgen aus Bern ein, der den Eingriff schon durchgeführt hatte.

Der Eingriff ist komplexer als eine klassische Transplantation. Das OP-Feld ist unübersichtlicher. Davor hatte ich Respekt. Am Ende lag das Herz nur 22 Minuten still – sonst sind es mindestens eineinhalb Stunden. Mit dieser Methode können wir viel mehr Herzen für Transplantationen nutzbar machen. Ein riesiger Fortschritt.

Prof. Dr. Payam AkhyariDirektor der Klinik für Thorax- und kardiovaskuläre Chirurgie an der Universitätsmedizin Essen

Ralf Grobe ist der erste Patient in Deutschland, der von der innovativen Methode profitiert. 2019, mit gerade einmal 40 Jahren, erlitt er einen schweren Herzinfarkt – mit gravierenden Folgen: 2022 landete er auf der Warteliste für ein Spenderherz. 507 Menschen warteten damals mit ihm, aktuell sind es in Deutschland 660. Nur knapp 350 Herzen werden jährlich transplantiert – besonders wenige im europäischen Vergleich. „Weil es zu wenig Spender gibt, müssen immer wieder Spenderherzen angenommen werden, die nicht ganz ideal sind“, sagt Prof. Dr. Payam Akhyari. Daher versuchen er und sein Team sich an vielen neuartigen Verfahren, mit denen mehr Herzen für eine Transplantation nutzbar gemacht werden können. Eines davon: die Beating-Heart-Transplantation.

Ralf Grobes Herztransplantation ist nun über ein halbes Jahr her. Abstoßungsreaktionen oder Unverträglichkeiten gab es bisher keine. Langsam baut er Kondition auf und nimmt wieder an Aktivitäten teil, die ihm aufgrund seiner Erkrankung lange Zeit verwehrt waren. Im Schnitt leben herztransplantierte Menschen heute noch zwischen zehn und zwanzig Jahren. Der Rekord liegt bei 41 Jahren. Viele können wieder arbeiten gehen, Sport treiben und ein weitgehend normales Leben führen. Das ist auch das Ziel von Ralf Grobe, der aktuell vor allem die Spaziergänge mit seinem Hund im Wald genießt.