Prof. Dr. Angelika Eggert

Sie kennen die Universitätsmedizin Essen aus früheren Tagen: Wie sah Ihr persönlicher Werdegang aus, und was hat Sie besonders beeindruckt, als Sie Mitte 2025 als Ärztliche Direktorin zurückkehrten? 


Nach meinem Studium der Humanmedizin an der Universität Duisburg-Essen und meiner Promotion in Molekularbiologie, habe ich mich im Rahmen meines Postdoc-Aufenthalts in den USA und später als Professorin in Essen auf die pädiatrisch-onkologische Forschung und die Leitung der Klinik für Pädiatrie III konzentriert. Von 2007 bis 2013 war ich zusätzlich Direktorin des WTZ Essen, damals wie heute eine deutschlandweit führende Institution in der Krebsmedizin, insbesondere auch Anlaufstelle für an Krebs erkrankte Kinder und seltene Tumorarten wie Sarkome. Auch während meiner Tätigkeit an der Charité in Berlin habe ich den Kontakt zu den Essener Kolleginnen und Kollegen nie abreißen lassen und mit großem Interesse verfolgt, wie sich die Universitätsmedizin Essen insgesamt entwickelt. Die Vielfalt und Intensität, in der hier heute in Forschungsverbünden oder Graduiertenkollegs gearbeitet wird, hat es so zu meiner Zeit in Essen noch nicht gegeben. Mich hat bei meinem Neustart an der Universitätsmedizin Essen ebenso beeindruckt, was sich in Sachen Smart Hospital und der Anwendung Künstlicher Intelligenz in der Krankenversorgung und der Forschung getan hat. Diesen Vorsprung bei der Digitalisierung werden wir nun flächendeckend ausbauen bis hinein in die Verwaltung.

Welche Schwerpunkte möchten Sie in den kommenden Jahren setzen, welche Strategie verfolgen Sie?

Die Gestaltungsmöglichkeiten als Ärztliche Direktorin und Vorstandsvorsitzende der Universitätsmedizin Essen sind, trotz der herausfordernden Rahmenbedingungen, immens. Das macht es reizvoll, hier unternehmerisch und strategisch zu arbeiten. Nach dem ersten Jahr kann ich voller Überzeugung sagen: Ich bin sehr froh, hier zu sein. Für die Zukunft sehe ich ausgezeichnete Perspektiven, unsere medizinische Expertise disziplinübergreifend noch effizienter zu bündeln, dadurch zu stärken und für unsere Patientinnen und Patienten besser nutzbar zu machen. Darüber hinaus wollen wir in den kommenden Jahren die Präventionsmedizin und Krankheitsfrüherkennung deutlich stärken und ausbauen. Vor dem Hintergrund der Demographie und der zunehmenden finanziellen Belastung des Gesundheitssystems geht an Strategien zur Früherkennung chronischer und lebensbedrohlicher Erkrankungen kein Weg vorbei. Wir wollen diesen Weg zukünftig federführend mitgestalten. Wir wollen Menschen nicht nur „reparieren“, sondern im Idealfall lebenslang gesundheitserhaltend begleiten. Ein weiteres wichtiges Thema wird der Aufbau eines effizienten Technologietransfers für klinisch relevante Erfindungen sein. Im Juni 2026 werden wir die neue Klinik für Nuklearmedizin und Anfang des Jahres 2027 die neue Kinderklinik eröffnen und dann zwei Spezialkliniken modernsten Standards bei uns auf dem Campus haben, darauf freue ich mich schon sehr. Und schließlich möchten wir in Zukunft einen deutlichen Akzent auf die internationale Sichtbarkeit der Universitätsmedizin Essen setzen und die Forschungsarbeit schärfen. Ein gutes Beispiel dafür ist das Projekt One Health Ruhr, ein Forschungscenter, in dem interdisziplinär zu den grundlegenden Mechanismen von Gesundheit, Umwelt und Krankheit geforscht wird. Damit zum Beispiel amerikanische Partner nicht mehr hauptsächlich auf Berlin, Heidelberg oder München schauen, sondern auch in Essen investieren.

Für die Zukunft sehe ich ausgezeichnete Perspektiven, unsere medizinische Expertise disziplinübergreifend noch effizienter zu bündeln, dadurch zu stärken und für unsere Patientinnen und Patienten besser nutzbar zu machen.

Prof. Dr. Angelika EggertÄrztliche Direktorin und Vorstandsvorsitzende

Lassen Sie uns gemeinsam auf die Patientenversorgung in der Region schauen: Was braucht es, um diese weiter zu verbessern?

Generell können wir bundesweit bei der regionalen Versorgung die Universitätskliniken nicht isoliert betrachten, sondern müssen immer die regionale Zusammenarbeit mit anderen Gesundheitsdienstleistern und Klinikträgern stärken. Die Metropole Ruhr mir ihrer dichten Krankenhauslandschaft und der guten medizinischen Versorgung kann Vorbild und Innovationsmotor für diese vernetzte Gesundheitswirtschaft von morgen sein. Lokal arbeiten wir konkret daran, uns noch enger mit den Häusern der anderen Träger in Essen zu vernetzen. So können wir zukünftig gemeinsam dafür sorgen, dass jeder Patient mit seinem Krankheitsbild an die Adresse kommt, an der er optimal versorgt wird.

Dr. Johannes Hütte

Wie wollen Sie wirtschaftlich die Universitätsmedizin Essen in die Zukunft führen?

Die Universitätsmedizin Essen hat als „hidden champion“ herausragende Möglichkeiten, durch universitäre medizinische Krankenversorgung und exzellente Forschung in Zukunft auch wirtschaftlich solide Ergebnisse zu erzielen. Die Voraussetzungen, die ich hier an der Universitätsmedizin Essen vorgefunden habe, sind positiv. Viele motivierte und veränderungsbereite Mitarbeitende unterstützen die gemeinsame Strategie. Es nutzt in diesem Zusammenhang nichts, auf die generell angespannte Finanzierungsgrundlagen von Krankenhäusern und auch Universitätskliniken in Deutschland einzugehen. Wir wollen und müssen innerhalb der bestehenden Rahmenbedingungen erfolgreich arbeiten und unsere Hausaufgaben machen. Dabei konzentrieren wir uns auf die Optimierung von Prozessen, auf die stärkere betriebswirtschaftliche Nutzung der Digitalisierung und den Ausbau von leistungsfähigen Medizinstrukturen. Alles mit Augenmaß und dem Anspruch, die Universitätsmedizin Essen bei aller notwendigen Kostensensibilität zukunftsfest aufzustellen. Mein Ziel: Die Qualität der Patientenversorgung bei gleichzeitiger wirtschaftlicher Effizienz zu steigern. Das ist möglich, und dafür sind viele gemeinsam mit mir täglich auf dem Weg.

Mein Ziel: Die Qualität der Patientenversorgung bei gleichzeitiger wirtschaftlicher Effizienz zu steigern. Das ist möglich, und dafür sind viele gemeinsam mit mir täglich auf dem Weg.

Dr. Johannes HütteKaufmännischer Direktor und Vorstandsmitglied

Wie kann es trotz Fachkräftemangel und finanzieller Einschränkungen gelingen, die personellen Ressourcen zu optimieren?

Personelle Ressourcen optimieren hört sich sehr technisch an. Nennen wir es lieber unseren Auftrag als Universitätsmedizin wesentlich auch in der Versorgung der Bevölkerung durch den Zugang zu Hochleistungsmedizin erfüllen zu können und zugleich unsere Mitarbeitenden durch ein gutes Arbeitsumfeld in die Lage zu versetzen ihrer Profession nachzukommen. Wir können die Demografie nicht umkehren, natürlich muss sich auch die Universitätsmedizin mit dem Fachkräftemangel auseinandersetzen, ebenso wie mit geleerten öffentlichen Kassen und Kostenträgern. Als Universitätsklinikum können wir keine Politik machen oder das Gesundheitssystem von Grund auf ändern. Aber wir können dort, wo wir gefragt sind, beraten und durch eigenes erfolgreiches Handeln überzeugen. Die Universitätsmedizin Essen ist eine starke Marke und steht für Innovation, Modernität und Digitalisierung. Insbesondere die konsequente Weiterverfolgung und Verzahnung der Querschnittsthemen Digitalisierung, hochwertige Krankenversorgung und breiter Zugang zu neuesten Behandlungsmöglichkeiten aus der medizinischen Forschung wird uns auch in Zukunft den Platz als eine der führenden Universitätskliniken sichern. Das macht uns auch als Arbeitgeber in einem hart umkämpften Markt attraktiv. So kann es gelingen, in einen strukturierten Veränderungs- und Entwicklungsprozess zu kommen.

Medizinische Spitzenleistungen erfordern angemessene Rahmenbedingungen. Was muss sich aus Ihrer Sicht ändern, damit die Universitätsmedizin Essen auch weiterhin die Behandlung von Patientinnen und Patienten mit schweren, seltenen und komplexen Erkrankungen sicherstellen kann?

Um an der Universitätsmedizin Essen auch in Zukunft medizinische Spitzenleistungen sicherstellen zu können, werden wir intern weiter strukturelle Anpassungen vornehmen, Expertisen in Zentren bündeln, aber auch die Vernetzung unserer Standorte verbessern. Großen Einfluss auf die weitere wirtschaftliche Entwicklung werden auch die Gesundheitsreformen auf Landes- und Bundesebene haben – als Supra-Maximalversorger wäre eine Neubewertung der rein fallzahlbasierten Finanzierung hin zur Anerkennung spezialisierter Leistungen von Universitätskliniken ein wichtiger Schritt. Aber wie gesagt, wir konzentrieren uns auf die Dinge, die wir unmittelbar beeinflussen können. Und dazu gehört auch, in der Kooperation mit regionalen und lokalen Versorgern daran mitarbeiten, dass jeder Patient die für ihn optimale Versorgung bekommt und wir als Universitätsmedizin unseren Auftrag bestmöglich erfüllen. Auf dem Weg werden wir vorangehen

Andrea Schmidt-Rumposch

Zunächst einmal herzliche Glückwünsche zu Ihrer Verlängerung!

Vielen Dank! Ich freue mich sehr über das Vertrauen, das der Aufsichtsrat mir nun bereits seit 2017 schenkt. Und ich freue mich, den gemeinsamen Weg mit meinen Vorstandskolleginnen und -kollegen und meinen Leitungs- und Pflegeteams weiterzugehen – mit unserer gemeinsamen Ausrichtung, eine exzellente medizinische und pflegerische Versorgung zu bieten. Meine Vertragsverlängerung hat einen passenden Zeitpunkt geboten, meine Pflegestrategie für zukünftige Entwicklungen der kommenden fünf Jahre weiter zu schärfen und dabei auch festzuhalten, welche Meilensteine wir in unseren Themenfeldern wie beispielsweise Versorgungsqualität oder Zukunftsfähigkeit bereits erreicht haben.

Was waren für den Pflegebereich an der Universitätsmedizin Essen die größten Herausforderungen, was die größten Erfolge im Jahr 2025?

Mein Ziel ist es, beste pflegerische Versorgung zu gewährleisten und dabei gleichzeitig ein exzellenter Arbeitgeber für Pflegefachpersonen zu sein, Personalentwicklung steht für mich im Fokus. Ich setze alles daran, dass Pflegefachpersonen langfristig bei uns bleiben. Ein großer Erfolg war somit auf jeden Fall, dass wir die ersten Studierenden für den primärqualifizierenden, dualen Studiengang „Bachelor of Nursing“ (B. Sc.) begrüßen konnten. Die enge Verzahnung des Universitätsklinikums Essen mit der Universität Duisburg-Essen bietet ideale Rahmenbedingungen für einen gelungenen Theorie-Praxis-Transfer und ist ein weiterer Baustein zur Stärkung von Ausbildung und Pflegewissenschaft an der Universitätsmedizin Essen. Genauso wichtig war, dass wir unseren Serviceassistentinnen und -assistenten eine ergänzende Ausbildung zur Pflegefachassistenz anbieten konnten, um sie langfristig in unseren Pflegeteams halten zu können. Wir haben Pflegefachpersonen auf verschiedenen Qualifikationsstufen mit ganz unterschiedlichen Aufgabenbereichen bei uns im Einsatz – jede und jeder ist wichtig für stabile Pflegeteams und damit für eine hohe Versorgungsqualität und Patientensicherheit. Eine der größten Herausforderungen ist und bleibt der Fachkräftemangel. Umso erfreulicher ist es, dass wir in den vergangenen Jahren einen Personalaufbau erreichen konnten.

Insbesondere die konsequente Weiterverfolgung und Verzahnung der Querschnittsthemen Digitalisierung, hochwertige Krankenversorgung und breiter Zugang zu neuesten Behandlungsmöglichkeiten aus der medizinischen Forschung wird uns auch in Zukunft den Platz als eine der führenden Universitätskliniken sichern.

Andrea Schmidt-RumposchPflegedirektorin und Vorstandsmitglied

Welche strategischen Ziele haben Sie sich für 2026 gesetzt?

Um unsere Exzellenz in der pflegerischen Versorgung weiter auszubauen, benötigen wir dringend Versorgungsforschung auch in der Pflegewissenschaft. Erfreulicherweise konnten wir seit 2020 rund zwei Millionen Euro Fördergelder für pflegewissenschaftliche Forschung einwerben. Ein Team Entwicklung und Forschung Pflege wurde dazu direkt innerhalb der Pflegedirektion verankert. Seit 2018 integrieren wir zudem bedarfsgerecht und nach internationalem Vorbild Pflegeexpertinnen und -experten und Advanced Practice Nurses in unsere Pflegeteams, aktuell in über zwanzig Bereichen. Zukünftig soll für alle Patientengruppen mit komplexem Versorgungs- und Beratungsbedarf ein solches Angebot bestehen. Und natürlich gestalten wir die Transformation weiter durch Digitalisierung und den zielgerichteten Einsatz von Künstlicher Intelligenz in der Pflege.

Lassen Sie uns weiter in die Zukunft schauen: Wo steht die Pflege an der Universitätsmedizin Essen in fünf Jahren, wie werden sich die strategisch gestellten Weichen auswirken?

Ich bin davon überzeugt, dass unser Fokus auf eigene Ausbildung, auf Personalentwicklung und Patientenzentrierung weiterhin Früchte trägt. Auszubildende schätzen unsere hohe Ausbildungsqualität und innovative Konzepte wie beispielsweise interprofessionelle Ausbildungsstationen. Pflegefachpersonen werden durch digitale Hilfsmittel und Devices von pflegefernen Aufgaben entlastet und durch KI in pflegerelevanten Entscheidungen unterstützt. Alle profitieren von gezielter Kompetenzerweiterung durch individuelle Personalentwicklung und Karriereplanung. Und unsere Patientinnen und Patienten erhalten jetzt und in Zukunft eine exzellente pflegerische Versorgung.