Im Gegensatz zur klassischen Methode, bei der das Spenderherz für den Transport in Eis gekühlt und stillgelegt wird, bleibt das Organ beim Beating-Heart-Verfahren durchgehend in Betrieb. Das Herz wird unmittelbar nach der Entnahme in ein mobiles Organ Care System (OCS) eingesetzt – eine Box, in der es mit warmem, sauerstoffreichem Blut durchspült wird, sodass es weiterschlägt. Es arbeitet auch während der OP weiter. Dadurch wird die Zeit minimiert, in der das Gewebe nicht durchblutet wird (Ischämie), das Risiko von Organschäden sinkt.
Sanfte Klänge
verbessern Vitalwerte
Musiktherapeutische Begleitung von Babys und Kleinkindern zeigt Wirkung.
Über zehn Jahre lang hat Susann Kobus die Musiktherapie an der Universitätsmedizin Essen aufgebaut, mit Schwerpunkten im Bereich der Pädiatrie und der Neonatologie. Im April Jahr 2025 hielt die studierte Musiktherapeutin (M. A.), Konzertpianistin (Diplom) und Musikpädagogin (Diplom) im Audimax der Universitätsmedizin Essen ihre öffentliche Antrittsvorlesung zum Thema „Familienzentrierte Musiktherapie in der Neonatologie“. Ihre Habilitationsschrift ist die erste deutschlandweit im Bereich „Musiktherapie in der Kinder- und Jugendmedizin“.
Den Anstoß zur musiktherapeutischen Begleitung von Frühgeborenen und schwer erkrankten Kindern an der Universitätsmedizin gab vor zehn Jahren eine engagierte Mutter. Sie hatte erfahren, dass Kinder an anderen Kliniken während der Dialyse Musiktherapie erhielten und damit positive Effekte erzielt wurden. Das berührte nicht nur das Therapeutinnenherz von Susann Kobus, auch ihr Interesse an tiefergehenden Forschungen in diesem Bereich war geweckt.
”Ich begleite die kleinen Patientinnen und Patienten zum Teil über Wochen und Monate, manchmal sogar mehrere Jahre.
Susann KobusMusiktherapeutin (M. A.)
Vertrauensvolle Konstante im Klinikalltag
Neben der ablenkenden und beruhigenden Wirkung, die Susann Kobus durch die Klänge und den spielerischen Umgang mit verschiedenen Instrumenten erzielt, sind die Stunden mit ihr für die Kleinen und deren Familien eine vertrauensvolle Konstante im anstrengenden Klinikalltag. Durch ihre Habilitation und durch die Betreuung von Doktoranden konnte die Professorin ihr Tätigkeitsfeld ausweiten. Über die Patientinnen und Patienten der Universitätsmedizin hinaus betreut das Team von Zentrum für Künstlerische Therapien auch überregional Patienten in der Musik-, Kunst-, Tanz- und Theatertherapie. Zum Beispiel hat eine Theatertherapeutin ein ambulantes Angebot für Brustkrebspatientinnen in der Versorgung und in der Nachsorge entwickelt. Für traumatisierte Personen, die an den Nachwirkungen der Flutkatastrophe im Ahrtal leiden, hat das Zentrum eine Reihe Künstlerischer Therapien angeboten. Kobus: „Einige Therapeutinnen von uns sind dafür ins Ahrtal gefahren, wir konnten dank Unterstützung der Stiftung Universitätsmedizin auch Therapeutenstellen für die Betreuung vor Ort ausschreiben.“ Eine Doktorandin in der Kunsttherapie arbeitet mit geflüchteten Menschen. Alles Angebote, die ohne Spendengelder und Unterstützung der Stiftung für Universitätsmedizin Essen und weiteren Stiftungen und Sponsoren nicht möglich wären, denn Künstlerische Therapien gehören nicht zur Regelversorgung.
Austausch mit anderen Forschenden
Susann Kobus arbeitet in der Betreuung ihrer kleinsten Patientinnen und Patienten hauptsächlich mit einer Sansula, einem Holzblock mit Klangzungen auf einer Fellauflage. Dieses Instrument erzeugt sanfte, sphärische, harmonische Töne. Dabei orientiert sie sich am Atemrhythmus und an den Reaktionen der Kinder. Die Tonfolgen lassen die Geräusche der medizinischen Geräte in den Hintergrund treten. Die Kinder lauschen, ihre Herzfrequenz sinkt, der Atem beruhigt sich, die Sauerstoffsättigung geht hoch. Die Vitalparameter verbessern sich deutlich. Die positiven Kurzzeiteffekte der Musiktherapie sind valide. Was bisher fehlt, sind Langzeitstudien, die Aussagen liefern, ob die Musiktherapien im frühen Kindesalter auch Effekte auf die weitere Entwicklung der Kinder bis zur Adoleszenz haben. Zum Beispiel, ob Motorik und Sprachentwicklung besser verlaufen als bei Kindern mit ähnlichen Erkrankungen, die keine Musiktherapie erhalten haben. Um dazu mehr zu erfahren und ihre wissenschaftliche Arbeit weiterzuverfolgen, steht Susann Kobus in engem Austausch zu Fachkolleginnen und -kollegen. Die Wissenschaftlerin Friederike Haslbeck arbeitet zum Beispiel an ähnlichen Themen im UniversitätsSpital Zürich. Kobus‘ Forschungen belegen zudem, dass die Vitalwerte von Kindern, die musiktherapeutisch begleitet werden, besser sind als die von Kindern, denen vorgelesen wird. „Die Musik hat also eine besondere Wirkung. Es ist nicht ausschließlich die Zuwendung, die den positiven Effekt erzielt“, erläutert Kobus.
Und die eigene Pianistinnen-Karriere? Bleibt dafür neben Therapie und Forschung noch Zeit? Der Bühne ist die Pianistin immer treu geblieben, auch wenn die Auftritte selten sind. Meist gibt sie Benefiz-Konzerte, um Spenden für die kunsttherapeutischen Angebote zu sammeln. Gemeinsam mit anderen Profi-Musikerinnen und -Musikern hat Susann Kobus außerdem Patientenkonzerte an der Universitätsmedizin Essen ins Leben gerufen. Dann wird das Audiomax zum Konzertsaal – eine willkommene Abwechslung für Patientinnen, Patienten und Mitarbeitende.
